Ich habe zu Weihnachten ein N64 geschenkt bekommen, da war ich sechs Jahre alt. Ich habe viele Stunden mit dieser Konsole verbracht, konnte aber meine Mutter kein einziges Mal in Mario Kart besiegen. Jahre später habe ich erfahren, dass meine Eltern die Konsole am Abend vor Heiligabend ausgepackt und getestet haben. Mein Vater erzählte mir, dass sie dann erschrocken um 4 Uhr morgens auf die Uhr sahen und alles schnell abgebaut und wieder eingepackt haben. Zocken liegt bei uns in der Familie.
Gaming, mehr als nur Zeitvertreib
In der Schule war es damals noch sehr komisch, wenn ein Mädchen Videospiele gespielt hat. Deshalb behielt ich das Hobby lange für mich. Im Englischunterricht bin ich dann in eine Sackgasse geraten, und meine Noten rutschten ab. Irgendwann erzählte mir jemand, er schaue zum Englischlernen seinen Lieblingsfilm auf Englisch, er kenne ihn ja Wort für Wort. Das brachte mich auf eine Idee: Ich habe mein Lieblingsspiel, Jak and Daxter für die PS2, auf Englisch gestellt. Ich hatte bereits Hunderte Stunden gesammelt und kannte alle Dialoge. Es wirkte Wunder!
Heute spreche ich Englisch auf Muttersprachniveau und hatte Amerikanistik im Nebenfach meines BA.
Vom Hobby zum Beruf
Was hängen geblieben ist: Lernen geht besser, wenn es selbstmotiviert ist (intrinsisch), und das geht bei Gaming-Fans sehr gut über – you guessed it – Games.
Ich habe während des Abis erfahren, dass ich Gaming im Studium zum Schwerpunkt machen kann, und ab da gab es kein Halten mehr für mich. Studiert habe ich Erziehungswissenschaften mit den Schwerpunkten Lernen mit Medien und Entwicklungspsychologie. Jetzt wusste ich zusätzlich, wie Lernen im Gehirn stattfindet. Dann habe ich meinen Magister in Kinder- und Jugendmedien nachgelegt, mit Fokus auf Game-based Learning (natürlich), und traf dort auf gamingbegeisterte Professorinnen und Professoren. Mein Hobby war spätestens hier nicht mehr zu verstecken.
In dieser Zeit durfte ich auch viele medienpädagogische Projekte begleiten: für Lehrkräfte, für Schülerinnen und Schüler, als Vorträge an der Uni und, und, und. Gemeinsam mit anderen Studierenden habe ich 2016 sogar den KOMPASS in Silber für ein Jugendprojekt erhalten. Das Thema? Gaming 😉
Hauptberuflich entwickle ich seit 2018 E-Learnings. Mein Steckenpferd ist – Sie kommen nie drauf – Gamification. Ich sorge dafür, dass Ihre Pflichtschulung im Büro kurzweilig ist, mit viel Interaktion und, wenn ich darf, auch mit ein paar versteckten Easter Eggs.
Gaming zieht sich durch die Generationen
Ich bin aber auch Ehefrau und Mama von zwei Kindern. Meinen Mann und mich verbindet neben vielen unterschiedlichen Interessen auch eine gemeinsame Leidenschaft. So konnten wir beim Zusammenziehen unsere Konsolensammlungen zusammenlegen und haben nun unser eigenes kleines Videospielmuseum.
Dass meine Kinder früher oder später damit in Berührung kommen würden, war absehbar. So gibt es bei uns zuhause den Familienspieleabend schon, aber manchmal eben digital statt analog. Ich bin übrigens ungeschlagen in Mario Kart – Familientradition.
Als Erziehungswissenschaftlerin ist es mir natürlich wichtig, für meine Kinder eine Balance zwischen analoger und digitaler Beschäftigung zu finden. Um dabei die intrinsische Motivation hochzuhalten, liebe ich den Ansatz, das Wunschmedium zu nehmen und aus der digitalen Welt zu transferieren: ein Minecraft-Kuchen, ein paar selbst gebastelte Among-Us-Magneten, Halloween-Kürbisse im Pixel-Look, viele, viele Ausmalbilder mit Pokémon und Co. Die Interessen meiner Kinder finden nicht nur auf dem Bildschirm statt.


Heißt das, dass bei uns immer alles klappt? Natürlich nicht. Auch bei uns gibt es Diskussionen um die letzte Folge oder das letzte Level. Aber ich habe gelernt: Gelassenheit bringt mehr als Verbote. Genau das möchte ich an Eltern und Fachkräfte weitergeben.
Warum ich das mache
So natürlich der Umgang mit digitalen Medien bei uns zuhause begleitet und erklärt wird, weiß ich, dass das nicht in jedem Haushalt so stattfinden kann. In Gesprächen mit Fachkräften höre ich oft, wie unsicher sie sind, wenn es um Medien in den Familien geht. Genau damit beschäftige ich mich, seit ich denken kann: Medienkompetenz zuhause und Medien als Motivator für Lernen. Dabei geht es nicht darum, Kindern etwas einfach kategorisch zu verbieten (so verlockend das auch ist), sondern die Interessen des Kindes in den Alltag einfließen zu lassen und als Brücke zu anderen Aktivitäten zu nutzen. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger und Verbote.
Was Sie hier im Blog erwartet
Hier finden Sie Tipps für Eltern und Fachkräfte, Neues aus der Forschung zu Medien, Jugendschutz und Gaming, verständlich eingeordnet, nützliche Empfehlungen und Vorlagen für Ihr Medienprojekt und ab und zu ein bisschen Nerdcrafting & Baking.
Was ich sonst anbiete, von Elternabenden bis zu Fortbildungen, finden Sie unter Angebote. Schön, dass Sie da sind! Wenn Sie mich anfragen möchten, freue ich mich auf Ihre Nachricht.

