Wie viel Bildschirmzeit ist okay? Ehrliche Antworten für den Familienalltag

Kind auf einem Bett mit einem Tablet in der Hand

„Nur noch eine Folge!“ – „Nur noch dieses eine Level!“

In vielen Familien gehören diese Sätze zu jedem Abend wie das Zähneputzen. Und oft auch der Streit, der danach kommt. Irgendwann stellt sich dann zwangsläufig die Frage: Wie viel Bildschirmzeit ist eigentlich okay?

Die Zahl vs. die Realität

Bei meinen Elternabenden frage ich gern in die Runde: „Was glauben Sie, wie viel Medienzeit wird für Ihr Kind empfohlen?“ Die Antworten liegen fast immer deutlich über dem, was öffentliche Richtlinien empfehlen. Denn die offiziellen Empfehlungen sind niedrig. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt zum Beispiel:

  • unter 3 Jahren: keine Bildschirmmedien
  • 3 bis 6 Jahre: höchstens 30 Minuten am Tag, in Begleitung
  • 6 bis 9 Jahre: höchstens 45 Minuten
  • 9 bis 12 Jahre: höchstens 60 Minuten
  • 12 bis 16 Jahre: ein bis zwei Stunden

In diesem Moment wird es im Raum meistens still. Viele Eltern rechnen kurz nach und haben sofort ein schlechtes Gewissen. Deshalb stelle ich direkt die nächste Frage: Ist das machbar? Jeden Tag? Mit Geschwistern, Arbeit und Alltag?

Ehrlich gesagt: nein. Zumindest bei uns zuhause nicht. Und das ist auch nicht schlimm. Selbst das BIÖG rät dazu, auch mal Ausnahmen zuzulassen. Die Zahlen sind eine Orientierung, kein Maßstab, an dem Sie scheitern müssen. Viel wichtiger ist, wie Ihre Familie Medien nutzt.

Drei Tipps, mit denen Medienzeit weniger zum Streitthema wird

1. Dabei sein und sich etwas erklären lassen

Setzen Sie sich dazu. Lassen Sie sich zeigen, was Ihr Kind da baut, schaut oder spielt, und stellen Sie Fragen. Kinder sind stolz, wenn sie die Expertinnen und Experten sein dürfen. Sie bekommen dabei ganz nebenbei mit, was Ihr Kind begeistert und was es beschäftigt. Das muss nicht jeden Tag bei jeder Nutzung sein. Aber immer, wenn es passt.

2. Einheiten statt Minuten vereinbaren

„Noch fünf Minuten“ ist für Kinder kaum greifbar, vor allem mitten im Spiel oder wenn die Serie gerade besonders spannend ist. Besser klappt: „Die Folge noch zu Ende“ oder „Das Level noch, dann speicherst du.“ So endet die Medienzeit an einem natürlichen Punkt, und der Abschied vom Bildschirm fällt leichter. Außerdem können Kinder mit der Ankündigung, dass es gleich endet, besser einen Abschluss finden.

3. Jedes Kind ist anders

Mein älteres Kind hätte als Kleinkind „Bambi“ nicht verkraftet, obwohl der Film ab 0 Jahren freigegeben ist. Mein jüngeres Kind hingegen hat schon im Kindergarten gern Gruselgeschichten gehört. Altersfreigaben sind eine wichtige Orientierung, aber sie kennen Ihr Kind nicht. Das kennen nur Sie genau. Achten Sie darauf, wie es Ihrem Kind während und nach der Medienzeit geht: Ist es entspannt, aufgedreht, ängstlich? Das sagt oft mehr als jede Minutenzahl.

Ohne schlechtes Gewissen

Wenn Sie gemeinsam schauen, sich etwas erklären lassen und Ihr Kind im Blick behalten, passiert etwas Schönes: Medienzeit wird wieder Familienzeit. Und die Frage „Wie viel ist okay?“ verliert ein bisschen von ihrem Schrecken.

Sie möchten das Thema mit den Eltern Ihrer Kita oder Schule besprechen? Gern gestalte ich dazu einen Elternabend, vor Ort oder digital.

Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Medien und Digitales im Alltag. Elterninfo, 2025.

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